Wer ist Aldo Doninelli? Ein Sportbegeisterter. Diese Leidenschaft für ganz unterschiedliche Sportarten hat mir den Entscheid leicht gemacht, in diesem Bereich eine akademische Ausbildung zu absolvieren. Nach meinen Studien habe ich nebst meiner Lehrtätigkeit während sechs Jahren an der ETH Zürich im Bereich der Biomechanik geforscht. Ab 1997 sammelte ich erste Erfahrungen in der Welt der Menschen mit Behinderungen, als ich den Posten des Technischen Leiters der Federazione Ticinese Integrazione Andicap (FTIA) übernahm. Und 2011 habe ich schliesslich die Stelle als Sport Director bei Special Olympics Switzerland übernommen. Was hat dich zu deinem Engagement in der Welt des Sports für Menschen mit Behinderungen bewogen? Vor allem die Überzeugung, dass Sport ein Recht für alle ist. Auch für Menschen mit Behinderungen. Mit den Jahren habe ich mich etwas vom Leistungsgedanken gelöst und erkannt, dass Sport ein wichtiges und potentes Integrationsinstrument ist. Sport verbinde ich mit Vergnügen auf unterschiedlichen Levels. Darunter fällt auch das Bedürfnis, gesellschaftliche Akzeptanz, Wertschätzung und Integration zu erlangen. Das gilt auch für Menschen mit Behinderungen: Sport ist eng an Vergnügen und an soziale Bedürfnisse geknüpft. Erzähl uns von deinen Erfahrungen bei der FTIA. Es waren 14 bereichernde Jahre. Eng mit Menschen mit Behinderungen zusammen zu arbeiten, ist sehr anregend. Das hat mir erlaubt, den Sport, aber auch das ganze Leben an sich, aus einer anderen Perspektive betrachten zu lernen. Leistung kommt erst an zweiter Stelle. Zunächst ist es für diese Menschen wichtig, ein Leben in sogenannter Normalität leben zu dürfen. Am meisten Befriedigung wecken die Momente, in denen das Umfeld den Wert eines Sportlers mit Behinderung versteht und ihn entsprechend anerkennt. Worin besteht nun deine Tätigkeit bei Special Olympics? Meine Aufgabe besteht darin, in der Schweiz das Sportangebot für Menschen mit geistiger Behinderung weiterzuentwickeln und zu konsolidieren. Dabei versuche ich, die Anerkennung der konventionellen Sportwelt zu erlangen. Special Olympics ist eine weltweite Bewegung im Dienste der Menschen mit geistiger Behinderung. Es ist keine Spitzensport-Organisation. Aber sie will es diesen Menschen ermöglichen, auch an Grossanlässen teilnehmen zu können. Auch an internationalen Events. Weshalb habt ihr entschieden, in Tenero einen Sitz zu eröffnen? Um uns in der Sportwelt einen adäquaten Platz zu sichern. Das hat auch die Direktion von Special Olympics Switzerland signalisiert, in dem sie ihren Sitz im Letzigrund-Stadion in Zürich eingenommen hat. In Tenero ist das Signal nun noch konkreter. In der Schweiz gibt es rund 4000 Sportlerinnen und Sportler mit einer geistigen Behinderung, die in insgesamt 15 Sportarten aktiv sind. Die Nähe zum CST könnte nun dazu führen, dass noch mehr Sportler mit einer Behinderung nach Tenero kommen. Und dies würde den Integrationsprozess von Menschen mit Behinderungen fördern. Habt ihr noch weitere Projekte in der Pipeline, die das CST mit einbeziehen? Tenero wird ein wichtiges Zentrum für die Zusammenzüge der Delegationen sein, die an den Weltspielen teilnehmen. Ausserdem werden wir Lehrgänge für Trainer durchführen. Und nicht zuletzt hoffen wir, die hervorragende Infrastruktur nutzen zu können und so neue Sportanlässe zu organisieren. Interview: Nicola Bignasca |