«Italiando» – mit Vollgas Italienisch lernen
Auch dieses Jahr bietet das CST ergänzend zum Sport den Sprachkurs «Italiando» für Jugendliche, die Italienisch lernen wollen. Was ist das Besondere daran? Wir haben uns mit der Lehrerin Cinzia Pedretti unterhalten.
Wie ist «Italiando» entstanden? Welche Ziele werden mit dem Projekt verfolgt?
Cinzia Pedretti: Die Initianten des Projekts – also Radiotelevisione svizzera di lingua italiana (RSI), das Departement für Bildung, Kultur und Sport des Kantons Tessin und das Migros-Kulturprozent Tessin – starteten ihre Zusammenarbeit im September 2014 und stellten das Projekt «Italiano: lingua di frontiera» auf die Beine. In diesem Rahmen wurden mehrere Initiativen zur Förderung der italienischen Sprache in der deutschen und in der französischen Schweiz aufgegleist.
Die Italiando-Sprachcamps werden an zwei Orten durchgeführt: im Jugendsportzentrum Tenero und im J+S-Sportzentrum in Bellinzona. Die Idee war, Sprache und Sport optimal zu verknüpfen. Das Vorhaben ist 2016 erfolgreich gestartet; 500 Jugendliche haben bereits den Kurs besucht. «Italiando» hat sich zum Ziel gesetzt, in den Jahren 2016–2018 rund 1500 Jugendlichen das Tessin und seine Sprache näherzubringen. Sie sollen Sport treiben und unsere wunderschöne Region kennen lernen.
An wen wendet sich der Kurs
Im CST wendet sich «Italiando» an Klassen und Gruppen, die an einer Sportwoche teilnehmen. Der Kurs ist zwar grundsätzlich für 14- bis 17-Jährige konzipiert, kann aber auch auf jüngere und ältere Teilnehmer massgeschneidert werden. Lehr- und Begleitpersonen sind ebenfalls stets herzlich willkommen – bereits etliche von ihnen waren in unseren Kursen begeistert bei der Sache!
Warum lohnt sich die Teilnahme?
Der Kurs bietet einen Einstieg ins Italienische, eine Sprache, die bei der Fächerwahl der Jugendlichen aus der Deutschschweiz und der Romandie keinen grossen Stellenwert hat. Gelegenheiten wie diese begeistern die Jugendlichen und werten das Italienische auf. Da das Projekt von den Initianten finanziell unterstützt wird, ist der Kurs sehr günstig – und der Spass der Jugendlichen ist garantiert. Warum also nicht?
Die Jugendlichen, die im CST logieren, sind in einen sportlichen Kontext eingebunden. Wie erleben sie einen eher «schulmässigen» Kurs?
Dieser Italienischkurs ist ein spannendes Angebot und rundet ein breit gefächertes Sportprogramm ab. Wir gestalten den Kurs nicht als «Klassenzimmerunterricht» fern von Spass und Sport. Im Gegenteil: «Italiando» ist genau auf diese Aspekte ausgerichtet. Das Ziel lautet, sprachliche Grundkenntnisse in einer Freizeitatmosphäre zu vermitteln. Der Unterricht im CST wird nicht als Unterrichtsstunde, sondern als spielerische Aktivität empfunden, bei der sie Italienisch lernen. Die Jugendlichen sind motiviert und machen begeistert mit. Zu Beginn stelle ich sofort klar, dass wir nicht in der Schule sind, dass es keine Beurteilungen gibt und dass vor allem niemand lächerlich gemacht wird. Alle stehen vor einer Herausforderung. Dabei sind Fehler nicht nur erlaubt, sondern ganz normal. Wer keine macht, hat nichts gewagt!
Was lernen die Jugendlichen in den Kursen?
Am ersten Tag führe ich sie an die italienische Sprache heran und stelle die Unterrichtsmethoden vor. Die Jugendlichen erkennen meist problemlos internationale Begriffe, die auch im Italienischen gängig sind, z.B. «basket, hamburger, film» oder Sprachverwandtes wie «telefonare, organizzare, intelligente». Wir weisen auch auf die italienischen Wurzeln gewisser Begriffe hin, die in den allgemeinen Sprachgebrauch verschiedener Sprachregionen eingegangen sind, wie: «spaghetti, ciao, amico». In dieser ersten Einstiegsphase wird den Jugendlichen klar, dass Italienisch keine völlig andere Sprache ist, sondern dass es viele Gemeinsamkeiten mit ihrer Sprache gibt.
Während den restlichen Tagen lernen die Jugendlichen, sich in Italienisch auszudrücken, Fragen zu stellen und darauf zu antworten. Sie meistern Praxissituationen wie gegenseitiges Kennenlernen, Freizeitaktivitäten zu diskutieren, an der Bar oder im Restaurant zu bestellen oder sich zu verabreden. Im letzten Teil des Kurses gehen wir auf die italienische Schweiz und ihre Besonderheiten ein, so dass die Jugendlichen auch das Tessin ausserhalb des Sportzentrums kennenlernen.
Gehen wir kurz auf die Didaktik ein: Wie wird Italienisch im CST unterrichtet? Mit welchen Aktivitäten wird der Spracherwerb der Jugendlichen besonders gefördert?
Ich rege die Jugendlichen an, über Aktivitäten zu sprechen, an denen sie teilgenommen haben und führe so Ausdrücke aus dem Sport ein. Dann diskutieren wir über Themen in Zusammenhang mit ihrem Aufenthalt: Im Zelt übernachten, in der Mensa essen und sich in der Freizeit entspannen. So erwerben sie nützliche Ausdrücke, die sie während ihrer Zeit im CST praktisch anwenden können.
Was ganz wichtig ist: Spass muss sein! Die Jugendlichen sollen ihren Sprachkurs in bester Erinnerung behalten und dazu angeregt werden, ihre Italienischkenntnisse in der Schule zu vertiefen. Deswegen sorgen wir auch für spielerische Momente – mit Memory oder dem Gänsespiel. Die lehrreichsten Übungen sind jedoch nachgespielte Alltagssituationen, wie beispielsweise an der Bar bestellen, sich verabreden oder jemanden kennenlernen. Bei der individuellen Arbeit – lesen, Texte schreiben, Hörübungen usw. – können die Jugendlichen eigene Überlegungen anstellen und das Gelernte sofort anwenden. Häufig gehen die Jugendlichen über die ihnen zugewiesene Aufgabe hinaus, überdenken sie, stellen viele Fragen und lassen in diesem informellen Rahmen ihrer Neugierde freien Lauf. Sie zeigen sich begeistert und motiviert.
Text: Filippo Zoppi, April 2017
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Nationales Jugendsportzentrum Tenero CST
CH-6598 Tenero
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